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Der Hohe Meißner

Der Meißner ist der nördlichste der großen hessischen Basaltberge. Als höchster Berg Kurhessens wird er deshalb oft auch als "König der hessischen Berge" bezeichnet. Der Meißner misst an der Kasseler Kuppe 754 m üNN, damit ragt der Berg um mehr als 600 Höhenmeter über das Eschweger Becken empor. Und um ihn herum erstreckt sich mit 931 Hektar das zweitgrößte Naturschutzgebiet Hessens. Weil der Meißner nicht nur auf seine unmittelbaren Untertanen eine besondere Anziehungskraft auswirkt, will ich versuchen einige seiner Besonderheiten zusammenfassend darzustellen.

I. Name
Der wohl ursprünglichste Name ist Wissener und wurde in dieser Form erstmals 1195 urkundlich erwähnt. Wobei es dazu einige Erklärungsversuche gibt, die über die althochdeutschen Stammwörter wisa=Wiese, wizon=Weisssager oder auch wiz=weiß entstanden sind. In der Meißnergeged ist die letzte Deutung weit verbreitet, weil sie offenbar damit zusammenhängt, dass der Meißner in der Gegend zuerst weiß wird und am längsten weiß bleibt.

wissener


II. Entstehung
Der Sockel des Meißners wird geologisch aus Buntsandstein gebildet, über den sich im Laufe der Erdgeschichte mehrmals Basalt ergossen hat. Geologen zufolge war der Meißner ursprünglich eine Senke, bis vor 12,2 Mio. Jahren der erste Lavaaufstieg durch tektonische Spalten erfolgte. Der Meißner war allerdings nie ein Vulkan, die Lavaaustritte erfolgten vielmehr durch gewaltige Bewegungen der Erdkruste, insbesondere an sog. Grabenbrüchen. Im Quartär also vor etwa 1,5 Mio Jahrenänderten sich die Klimabedingungen so stark, dass rasche Erosionsprozesse in Gang gesetzt wurden, von denen das Meißnerplateau allerdings wegen seiner Basaltdecke weitgehend verschont blieb. In der Folgezeit entstanden durch die starken verwitterungsprozesse die Blockmeere und Hangschuttdecken am östlichen Meißnerhang. Der Meißner verdankt seine heutige Gestalt also in der Hauptsache der Basaltdecke in der Gipfelregion, die ihn, im Gegensatz zu seiner Umgebung, vor rascher Erosion und Verwitterung geschützt hat.

III. Bergbau
Der Braunkohleabbau am Meißner ist der älteste in Deutschland. Die Anfänge des Bergbaues am Meißner stehen in engem Zusammenhang mit der Saline in Bad Sooden, da zur Befeuerung der Siedepfannen zunächst große Mengen Holz benötigt wurden. 1571 ließ Landgraf Wilhelm der IV. Untersuchungen auf Braunkohleflözen durchführen, und so wurde ab 1575 in der Nähe vom Schwalbental ein Schacht durch den Basalt gelegt, von dem aus dann ab 1578 Schwarzkohle abgebaut wurde. In den ersten 200 Jahren wurde noch ausschließlich Schwarzkohle abgebaut, erst ab 1790 hat man auch Braunkohle abgebaut. Der Untertagebau wurde bis 1929 weitgehend eingestellt. Von 1952 bis 1974 wurde dann Braunkohletagebau betrieben, der deutliche Spuren am Meißnerplateau hinterlassen hat.

Kalbe

Als Überrest ist an der Kalbe (720m üNN) ein Tagebaurestloch mit einem 2 ha großen See erhalten.

Tagebaurestloch Kalbe


1977 konnte die Bevölkerung dank großer Teilnahme an der Aktion "Rettet den Meißner" die Wiederaufnahme des Tagebaues verhindern. Im Gegensatz zum Kohletagebau wurde der bereits nach dem 1. Weltkrieg begonnene Basaltabbau jedoch noch nicht aufgegeben.

IV. brennende Kohleflöze
Die nach Beendigung des Kohlebergbaues verbliebenen Kohleflöze bescheren dem Meißner noch heute eine Besonderheit. Braunkohle neigt bei Trocknungsprozessen zur Selbstentzündung, weshalb bereits im historischen Bergbau viele Stollen zeitweise verschlossen werden mussten. Einer der Brände schwelt seit über 300 Jahren (!). An der sog. Stinksteinwand oberhalb des Schwalbentales tritt auch heute noch heiße Abluft und starker Braunkohleverbrennungsgeruch hervor, den man je nach Wetterlage selbst im vorbeifahrenden Auto deutlich wahrnehmen kann.

Flözbrand

Im Frühjahr 2001 drohte in Folge der schwelenden Kohleflöze gar ein Waldbrand, so dass Feuerwehren ausrücken mussten, um die Schwelbrände zu ersticken.

V. Die Eisquelle
Am Fuße eines der "Blockmeere" aus Basaltsäulen entspringt die sog. Eisquelle. Den Namen hat diese Quelle ihrer außergewöhnlich niedrigen Wassertemperatur zu verdanken, denn diese mißt an der Austrittsstelle zwischen 1 und max. 2°C. Alle übrigen Quellen am Meißner, die am Tag übrigens rund 3.500 m³ Wasser zu Tage bringen, sind ca. 5-8°C warm. Die niedrige Temperatur der Eisquelle entsteht durch Verdunstungskälte im inneren der Basaltblockhalden.

Eisquelle


VI. Klima
Durch seine Höhe unterscheidet sich das Klima auf dem Meißner doch erheblich von dem in der umliegenden Region. Allein die Jahresniederschlagsmenge ist an den Westhängen und auf dem Plateau mit etwas über 1.000mm um etwa 1/3 höher als in dem östlich anschließenden Werratal. Durch seine exponierte Lage sind natürlich auch die Windgeschwindigkeitn deutlich höher als in der Umgebung. Die läßt bereits ein Blick auf den Baumwuchs erkennen.

Wind


Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur liegt auf dem Meißnerplateau bei etwa 4,5°C und damit fast 4 K unter der Mitteltemparatur Eschweges. Vor allem im Winterhalbjahr macht sich dieser Unterschied deutlich bemerkbar.

Winter


VII. Einzigartiger Lebensraum
Einige der bisher beschriebenen Besonderheiten des Meißners ermöglichen einen für die Region einzigartigen Lebensraum. So ist es also kein Wunder, dass sich hier etliche Tier- und Pflanzenarten wiederfinden, die sonst in Mitteleuropa seit der letzten Kaltzeit verschwunden sind. Diese hier zu beschreiben würde den Rahmen dieser Seite sprengen. Interessierten sei an dieser Stelle die Lektüre der u.g. Quellen empfohlen oder lassen sich dierkt vor Ort beeindrucken.

Karte


Textzusammenfassung und Fotos von Torsten Rost, Sommer 2004
Quellen:
Der Hohe Meißner - Verlag Herwig Klemp 2001
Der Meißner und das Höllental - Manfred Lückert/Eckhardt Krüger 1988
Geologische Wanderkarte Hoher Meißner - Regional-Netz e.V. 2001
Links:
  • Naturpark Meißner
  • Werra-Meißner-Touristik
  • Meißner-Webcam
  • www.eltmannshausen.de